Pressemitteilung 22.01.2019

Kommt ein Mittel gegen die unheilbare Krankheit?

Forscher arbeiten an Impfung
gegen Typ-1-Diabetes

Die Diagnose Typ-1-Diabetes bedeutet eine Erkrankung fürs Leben. Doch Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Forschungsplattform GPPAD kämpfen für eine Möglichkeit der Prävention.

Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern. In Europa ereilt die Diagnose etwa 1 von 250 Kindern bis zum 16. Lebensjahr, bei einer Krankheitsgeschichte in der Familie liegt die Quote sogar bei bis zu 20 Prozent. Die Folgen sind einschneidend: Jeden Tag müssen Betroffene bis zu sechsmal Insulin spritzen, regelmäßig ihre Blutzuckerwerte messen, bei jeder Mahlzeit den Kohlenhydratgehalt richtig einschätzen. Denn unbehandelt wird Typ-1-Diabetes lebensbedrohlich, eine Heilung gibt es nicht. Für Familien stellt das den Alltag komplett auf den Kopf und bedeutet oft eine nicht unerhebliche Belastung.

 

Was ist Typ-1-Diabetes?

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunkrankheit, bei der das Immunsystem die eigenen Körperzellen angreift, in dem Fall die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse. Diese sind für die Produktion von Insulin verantwortlich. Durch die Krankheit gehen sie zu Grunde und können den Körper nicht mehr ausreichend mit Insulin versorgen. Zucker aus der Nahrung (Glukose) wird durch das Insulin in die Zellen transportiert, wo er in Energie umgewandelt wird. Fehlt es im Körper, bleibt die Glukose im Blut, und der Blutzuckerspiegel steigt. Im schlimmsten Fall kann das zu einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung führen. Im Unterschied zu Typ-2-Diabetes entsteht Typ-1 nicht durch ungesunde Ernährung oder Bewegungsmangel und tritt oft bereits im Kindesalter auf.

 

Doch Wissenschaftler machen jetzt Hoffnung, dass der Krankheit in Zukunft vorgebeugt werden könnte. Im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts GPPAD („Globale Plattform zur Prävention des Autoimmunen Diabetes“) [LINK] unter Federführung von Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, untersuchen sie anhand eines einfachen Bluttests mehrere Hunderttausend Neugeborene auf ein erhöhtes Typ-1-Risiko. Fällt der Test positiv aus, können die Kinder an einer Folgestudie teilnehmen, zu der sie täglich Insulinpulver (oder ein Placebo) mit der Nahrung einnehmen. Das Ziel der Forscher: Durch das verabreichte Pulver soll der Körper lernen, dass Insulin ungefährlich ist und so verhindern, dass das Immunsystem es angreift. Es wäre sozusagen eine Impfung gegen Typ-1-Diabetes – eine medizinische Sensation!

Bis es soweit ist, hoffen die GPPAD-Wissenschaftler auf die Teilnahme zahlreicher Familien an ihrer Screening-Studie „Freder1k“ [LINK] und der Folgestudie „POInT“ [LINK]. Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler, erklärt dazu: „Wir forschen, entwickeln und kämpfen für eine Welt ohne Typ-1-Diabetes. Und schon jetzt profitieren Kinder mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko von der guten medizinischen Betreuung im Rahmen unserer Folgestudien. Deshalb kann ich allen Familien nur empfehlen: Informieren Sie sich, ob eine Studienteilnahme auch für Ihr Kind in Frage kommt.“


 

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